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// Los Gringos del Tango

     Galerie erstellt am: 19.11.2008
     Veranstaltungsort: ScharfrichterHaus - Passau
Brasil

Los Gringos del Tango
passau-live.de vom 22.11.2008

Haben Sie schon einmal eine Busfernreise mitgemacht? Ist durchaus eine praktische Sache: man ist an keine Bahnzeiten gebunden, ein meist wohl schon recht kompetenter Reiseleiter weist dem Fahrer den Weg und Sie auf Sehenswürdiges links und rechts der Straße hin, und wenn es gut geht, ist man auch recht lustig beieinander. Aber man sitzt halt in einem fort, und sich schnell einmal in die Büsche schlagen, um fremdes Terrain zu erkunden, ist mit so einem Bus nicht wirklich praktisch. Dann also doch lieber Rucksacktourist? Gut, dann gibt es heute an dieser Stelle einen Reisetipp, bei dem Sie all das verbinden können. Den Rucksack tauschen Sie dabei am besten gegen einen Gitarrenkoffer (bei Haltungsschäden, bitte die auf Musikerneudeutsch "Gigbag" genannte Rucksackvariante) oder sie packen eine Trommel ein. Und wenn Sie nichts von beidem zur Hand haben ist es auch recht. Sollte Ihr Ziel Südamerika heißen, sei Ihnen der Gitarrist Jürgen Schwenkglenks als Reiseleiter ans Herz gelegt. Wie das geht - so ganz ohne Bus - das bewiesen er und seine Los Gringos del Tango vergangenen Dienstagabend im Scharfrichterhaus.

Los Gringos del Tango, das sind: Jürgen Schwenkglenks an der zehnsaitigen Konzertgitarre. Auf sechs davon spielt er, drei sind "Bordun-Drähte" (=mit Bordun bezeichnet man einen Dauerton, der zur Begleitung einer Melodie erklingt), und auf der letzten läuft er gelegentlich seinem Kontrabassisten Jochen Rössler ein bis zwei Ganztöne Richtung Keller entgegen. Die harmonische Führung übernimmt jedoch nicht allein die Gitarre, hier hat Gerhard Koschel am Akkordeon und am Violoncello ein gewichtiges Wörtchen bzw. ordentlich viele Noten und mindestens so viele Klangfarben miteinzubringen. Im Tonumfang ist er mit seinen vier Saiten den zehn des Gringo número uno ohnehin ebenbürtig, aber gestrichen hat das natürlich noch einmal extra Substanz. Am Akkordeon soliert Koschel von zart bis das-morgendliche-Fingerfertigkeitstraining-hat-sich-wieder-gelohnt, spielt auch einmal jenen Part, den ein Rhythmusgitarrist in einer Rockband übernähme, jedoch "mach uns den Piazzolla" - an diesem Abend Fehlanzeige. Tango gibt es schon, aber eben nicht "nuevo", sondern allenfalls unter "protesta". Außerdem ist das Konzert vor allem Brasilien und seiner vielfältigen, in unseren Breiten noch viel zu unbekannten Folklore und auch klassischen Musik gewidmet (Heitor Villa-Lobos sei als "Hausnummer" genannt, denn die Gringos erwiesen auch ihm eine Referenz). Der Gringobus fährt deshalb nur kurz bis zur argentinischen Grenze, man winkt einmal und weiter geht's. Nichts gegen einen gediegenen Zwei- und Dreivierteltakt, aber Südamerika ist groß, da muss man schon einen Zahn zulegen. Und dafür ist ja immer der Schlagzeuger zuständig. Diese Aufgabe (auf Musikerdeutsch: "den Laden zusammenhalten") erledigt Gerald Braumandl, bravourös und auf seine wunderbar irgendwie-urig-sympathische Art, die diesem jungen, ausgesprochen vielseitigen Passauer Schlagwerker zueigen ist. Mit seinen Soli über Straßensambinha verwandelt er dabei übers ganze Gesicht feixend jede noch so dunkle Seitengasse in eine hellerleuchtete Avenue. Und nach dem Konzert braumandlt es dann in gewohnt "Alles-kommt-ins-Lot"-Manier" aus ihm heraus: "Da kann ich mich wenigstens einmal richtig austoben". Ein "Basst scho-Pauker". Und es sei nicht vergessen, die Los Gingos del Tango erhielten diesmal Unterstützung: Zu Konzertbeginn, Halbzeit und zum Ende stimmten Birgit Wimmer an der Querflöte und Paul Zauner an der Posaune mit ein. Ganz ehrlich, so innig mit seinem Instrument verbunden, dabei gerade-eben-so-am-Jazzidiom-kratzend hat man den Impressario vom Buchmannhof lange nicht mehr gehört.

Man könnte jetzt noch viel über Frevo, Capoeira und Walzer, über den ob seiner immer leicht angeschwärzten Phrasierung höchst spannenden Choro, seine Renaissance im heutigen Brasilien, sein Verhältnis zu Polka und Samba, oder über entspannte Gesanglichkeit jenseits des Bossa Nova schreiben. Aber das fragen Sie Jürgen Schwenkglenks am besten selbst und lassen sich das Rhythmengebräu Südamerikas mit einem Pandeiro oder Tambourin von ihm auseinander klamüsern. Aber Achtung, es könnte Sie auch überraschen, denn der Gringo número uno ist auch ein richtig guter Perkussionist!
Übrigens, Gringos wurden und werden in ganz Südamerika zumeist hellhäutige Ausländer genannt, die nicht romanischer Zunge sind. Also: Fremde. Wenn man den Los Gringos del Tango zuhört, ist man ob des Namens der Gruppe schon etwas verwundert: Wie kann man diese Musik so authentisch vermitteln und sich dennoch fremd nennen. Die Authentizität genau zu beurteilen, wäre ein Anliegen für eventuell im Scharfrichterhaus "mitreisende" Musikethnologen gewesen, die waren jedoch nicht auszumachen - oder verhielten sich verdächtig still. Man wundert sich also, und ist doch im nächsten Moment schon wieder gerührt von solcher Bescheidenheit des Jürgen Schwenkglenks. Beibt zu fragen, womit uns nun dieser Melodien- und Rhythmensammler samt Gringos und Gringa an diesem Abend beglückte? Ganz einfach: Mit einem transsubkontinentalen Volkstanzprogramm im Sitzen. Ohne Wenn und Aber. Und deshalb hier auch gänzlich ohne Anführungszeichen.

tsc/passau-live.de


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Magisch geleitet
PNP vom 21.11.2008

Passauer Gitarrist Schwenkglenks gibt imposantes Heimspiel im Scharfrichter

Unermessliche Sehnsucht und eine untergründige vulkanische Freude treibt die Musik von Jürgen Schwenkglenks an. Kapriziös wechselnde Rhythmen verbinden sich unaufdringlich mit sensiblen Zwischentönen. Der Passauer Spezialist für südamerikanische Musik gab am Dienstagabend im Scharfrichterhaus mit seiner Gruppe Los Gringos del Tango ein Heimspiel.
Er interpretiert neben ganz bekannten „Straßensambas“ und eigenen Stücken auch „viele weitere Rhythmen außer Samba und Bossa“, zum Beispiel einen Frevo („Frevo no Domingo“), einen venezolanischen Walzer oder den eingängigen „Tango protesta“ aus Argentinien. Wirkt der erste Teil des Konzerts noch verhalten und brüchig, so reißt danach die Gringos-Vollbesetzung die Initiative an sich. Die Gastmusiker Birgit Wimmer (Querflöte) und Paul Zauner (Posaune) erweitern die gut eingespielten Gringos um wichtige Aspekte: etwa ein sehr kitzliges Intro mit brasilianischer Rahmentrommel, Pandeiro, und Flöte („Arrancos“), oder Zauners ausgesprochen zärtliches Posaunensolo über „Carinhoso“. Die Gringos korrespondieren mit Schwenkglenks in ihren verschiedenen Facetten: Sein Hauptinstrument ist eine zehnsaitige Akustikgitarre, er beherrscht aber auch diverse Perkussionsinstrumente mit verblüffender Gewandtheit. Doch erst Drummer Gerald Braumandl macht die rhythmische Seite von Schwenk-glenks richtig lebendig. Jochen Roesler (Kontrabass) repräsentiert die Bassseiten der Gitarre und sorgt dezent und selbstbewusst für ein geschmeidiges Fundament. Höchst virtuos und mit subtilem Schalk krönt Gerhard Koschels Akkordeon die Gruppe, flink geht es synchron mit den höheren Lagen der Gitarre. Expressiv eigenwillig wird die Gruppe gleichsam magisch von Schwenkglenks Willen geleitet. Dass auch bei den sehr groovigen Stücken das Publikum auf den Stühlen saß, mag am Wetter liegen. Oder liegt es an Schwenkglenks’ Musik, deren Zwischentöne sich genauso stark in einem ruhigen Innern entfalten können?
Frank Müller
 
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Magali // 2003 » CD bestellen- externere Shop
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